Fotograf: Marco Borggreve

Hamburgische Staatsoper – Tosca

Vorstellung am 17. April 2018

Der Opernfreund von Wolfgang Denker

Grandiose „Tosca“

…Anja Harteros ist eine Tosca der Superlative. Gerade hat sie in Salzburg in dieser Partie Triumphe gefeiert. Ihre leidenschaftliche Darstellung und ihre innige Gestaltung von „Vissi d’arte“ lassen keine Wünsche offen. Harteros und Kaufmann sind eine ideale Kombination für Tosca und Cavaradossi. Aber auch wie Harteros ihr „Duell“ mit Scarpia gestaltet, ist von der ersten bis zur letzten Sekunde von atemberaubender Spannung und Intensität geprägt…

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Die Welt von Peter Krause

Die Frau, die Puccini befreit

Nun aber kam, sang und siegte Anja Harteros. Sie hat sich in vielen Inszenierungen, zuletzt bei den Salzburger Osterfestspielen, eine so differenzierte Sicht auf die Diva zurechtgelegt, dass die in die Jahre gekommen Produktion von Robert Carsen auch ohne aufwendige Probenphase eine ganz neue Frische entwickelt. Harteros mischt Verletzlichkeit, Naivität und Stolz der Tosca mit ungeahnter Klugheit ab, bringt viel von ihrer eigenen sensiblen Persönlichkeit ein. Klischees und Standardgesten meidet diese auch vokal so wundervoll komplette Sängerin gänzlich. Jede Phrase der Partie lotet sie tief aus, beginnt ihre Signetarie „Vissi d’arte“ im Pianissimo am Bühnenrand, setzt ihr delikates Vibrato behutsam ein, wagt die langsamen Thielemann-Tempi aus Salzburg, steigert sich zu golden strahlenden, perfekt fokussierten Forte-Tönen. Die Harteros vollbringt das kunstvolle Wunder, Puccini von allem Kitschverdacht zu befreien, Gesang als Wahrhaftigkeitskunst zu entfalten…

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Das Opernmagazin von Birgit Kleinfeld

Victoria? Victoria! – Sieg auf ganzer Linie

…so gebührt der Titel Primadonna Assoluta, oder besser noch: „Tosca Assoluta“ Anja Harteros für ihre gestrige Leistung.

Im ersten Akt stürmt sie auf die Bühne, ganz besitzergreifend liebende Frau, die schlingt Cavaradossi, spielerisch ihren Seidenschal um den Hals um ihn an sich zu ziehen, kreischend schleudert den Fächer, gegen das Bild der vermeindlichen Rivalin umd nur einen Wimpernschlag später wieder zerbrechlich zu wirken.  Im zweiten Akt läuft sie zur Hochform auf: Alles an ihr ist Gefühl in all seinen Facetten. Dazu bedient sie sich auch ihrer vielschichtigen Stimme: Mühelos schwebt Harteros regelrecht von Forte zu Piano und zurück, scheint in einem Atemzug von Crescendo zu Decrescendo zu gelangen Sie scheut sich auch nicht, Partiturgenauigkeit zu opfern, um Emotionen echt und wahrhaftig zu gestalten. Dabei ist sie auch körperlich ständig in Bewegung:
Ihr
„Vissi d’arte“, innig und ein Universum am Gefühlsregungen darbietend,choreografiert sie regelrecht und endet in lasziver Haltung auf dem Boden liegend. Sie mordet voller Inbrunst, zeigt Cavaradossi später mit fast kindlicher fröhlicher Hingabe, wie er zu fallen hat um dann endlich einfach nur dazustehen, bevor sie sich in den Bühnenhintergrund stürzt: Der Racheengel, dem man jedes Wort glaubt: „O Scarpia, avanti a Dio!“…

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Hamburger Abendblatt von Joachim Mischke

Harteros und Kaufmann: Zwei Sahnehäubchen auf einer Bühne

…Eine Ausnahmesängerin wie Anja Harteros spürte auch beim Kurzgastieren natürlich, wo in diesem Wenig ihre Schlüsselszene ist: „Vissi d’arte“ im 2. Akt. Die Handlungszeit stand still, im Kegel des Scheinwerferlichts stand die Verkörperung von Kunst und Liebe und erzählte und beichtete, dass sie nicht anders könne, als so, hier, jetzt Tosca zu sein. Harteros sang jede ihrer Noten nicht nur, sie liebkoste sie, ummantelte sie mit funkelnder Leidenschaft, konnte sich kaum von ihnen trennen. Und musste es doch. Hinreißender, großartiger kann man das kaum haben…

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klassik-begeistert.de von Sebastian Koik

Anja Harteros wirft Blitze der Eifersucht in den Saal und füllt die Staatsoper bis in die kleinsten Winkel mit Tosca-Emotionalität

…Anja Harteros ist als Floria Tosca eine Sensation! Besser als sie kann man diese Rolle nicht singen und spielen. Tosca ist eine der am häufigsten aufgeführten und meist besuchten Opern. Und niemand auf der Welt gibt diese leidenschaftliche, eifersüchtige und starke Bühnenfigur Tosca besser als die Deutsch-Griechin.

Beim ersten Auftritt löst sie in Sekunden Gänsehaut aus. Ihre ungemein dichten Höhen strahlen mannigfaltig, funkeln komplex und wundersam in viele Richtungen. Ihre Mittellagen und Tiefen sind ebenfalls vollkommen. Anja Harteros begeistert in der Staatsoper Hamburg mit Intensität, herrlicher Cremigkeit und exzellenter dramatischer Ausgestaltung und Nuancierung. Frau Harteros’ Stimme klingt golden und warm. Die Wunder-Sopranistin kann auch die höchsten Höhen sehr geerdet klingen lassen. Alles hat ein solides Fundament, alles ist genau richtig. Und alles klingt bei ihr absolut natürlich, sieht so unfassbar leicht aus. Anja Harteros‘ Tosca ist vollkommen souverän, von grandioser Selbstverständlichkeit … und unglaublich schön. Diese Frau kann alles. Ihre Sangeskunst ist ohne Schwächen.

Anja Harteros singt und redet wie eine Italienerin, sie bewegt sich wie eine temperamentvolle Italienerin, sie strahlt Leidenschaft, Feuer und Kraft aus, sie spielt die launische Diva mit Perfektion in jeder Geste, Toscas Eifersucht gestaltet sie bis ins kleinste Detail. Harteros wirft Blitze der Eifersucht in den Saal und füllt die Staatsoper bis in die kleinsten Winkel mit Tosca-Emotionalität…

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Besetzung:

Musikalische Leitung, Pier Giorgio Morandi
Inszenierung: Robert Carsen
Bühnenbild und Kostüme: Anthony Ward
Chor: Christian Günther

Floria Tosca: Anja Harteros
Mario Cavaradossi: Jonas Kaufmann
Baron Scarpia: Franco Vassallo
Cesare Angelotti: Alin Anca
Sagrestano: Alexander Roslavets
Spoletta: Julian Rohde
Sciarrone: Shin Yeo
Un Carceriere: Rainer Böddeker
Un Pastore: Ruzana Grigorian
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Chor der Hamburgischen Staatsoper